Solidarische Ökonomie im Süden
In Lateinamerika, Afrika und Asien bestehen traditionelle Formen neben neuen Projekten und Ansätzen kooperativen Wirtschaftens. Oft ist die solidarökonomische Praxis für das Leben von großer Bedeutung, ohne dass ihr als Phänomen besondere Beachtung geschenkt würde. In Lateinamerika ist die Solidarische Ökonomie am weitesten verbreitet und wichtiger Teil sozialer Bewegungen. Dies zeigt beispielsweise die Zahl der Veranstaltungen zu Solidarischer Ökonomie auf den dortigen Weltsozialforen.
Unterstützungsstrukturen in Brasilien
Ohne förderliche Rahmenbedingen haben Projekte Solidarischer Ökonomie einen schweren Stand. Brasilien ist eines der wenigen Länder, in denen es der Bewegung für Solidarische Ökonomie gelang günstige Rahmenbedingungen für die solidarökonomischen Projekte durchzusetzen. Einen enormen Aufschwung bekam die Solidarische Ökonomie durch die Wirtschaftskrise von 1981-1983. Hierfür waren vor allem die Aktivitäten der zivilgesellschaftlichen Organisationen (NGOs) verantwortlich, die von Kirchen, universitären Projekten und sozialen Bewegungen in Stadt und Land ausgingen.
Projekte
Die Formen für Projekte Solidarischer Ökonomie sind vielfältig. Die hier vorgestellten Projekte umfassen selbstverwaltete Betriebe und Genossenschaften, freies und kollektives Wissen, fairen Handel, lokale Direktvermarktung sowie gemeinschaftlich organisierte Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Dabei geht es den Beteiligten oft um mehr, als die Linderung von Notsituationen: Es geht darum, die ökonomischen Belange wieder in die eigene Hand zu nehmen, Perspektiven zu entwickeln und zu zeigen, dass eine andere Welt möglich ist.
Möglichkeiten und Grenzen
Solidarische Ökonomie erfährt viele Grenzen. Oft leiden die Gemeinschaftsbetriebe an Kapitalmangel und können sich gegenüber großen Konzernen im Markt nur in bestimmten Nischen durchsetzen. Auch die sozialen und gruppendynamischen Probleme können eine ernstlich gefährdende Dimension annehmen. Gerade in der Aufbauphase – nach der ersten Begeisterung – kann es zu eine Überforderung und Desillusionierung kommen. Vor allem aber lassen sich nicht alle gesellschaftlichen Probleme sinnvoll durch Einzelprojektlösungen beheben.
